Abschottung im Bestand: das Schild ist der Nachweis
Eine Abschottung ist schnell eingebaut und langsam nachgewiesen. Bei der Abnahme wird nicht geprüft, wie sauber die Fuge aussieht, sondern ob das eingebaute System für genau diese Situation zugelassen ist — und ob das jemand dokumentiert hat. Was in der Praxis schiefgeht.
Worum es überhaupt geht
Jede Wand und jede Decke, die Feuer aufhalten soll, verliert diese Eigenschaft an der Stelle, an der ein Rohr oder ein Kabel hindurchgeht. Die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR), die die Länder eingeführt haben, beschreibt, wie diese Öffnungen wieder zu verschließen sind. Die Feuerwiderstandsdauer der Abschottung muss zum Bauteil passen: eine Wand der Klasse F90 braucht eine Abschottung, die ebenso lange hält. Deshalb ist die erste Frage nie „welches Material?“, sondern „welches Bauteil, welche Klasse, welche Leitung?“.
Brennbar oder nicht — das ändert alles
Ein Kunststoffrohr schmilzt im Brandfall weg und hinterlässt genau den Querschnitt, den das Feuer sucht. Deshalb bekommt es eine Manschette oder einen Wickel, der aufschäumt und den Querschnitt zudrückt. Ein Stahl- oder Gussrohr bleibt stehen, leitet aber Wärme weiter; hier geht es um die Dämmung beidseits der Wand. Gemischte Belegungen — ein Kabelbündel und ein Rohr in derselben Öffnung — sind der klassische Fall, in dem ein Einzelprodukt nicht mehr reicht und ein Kombischott gebraucht wird.
Erleichterungen gibt es — aber mit Bedingungen
Die MLAR lässt für einzelne, dünne Leitungen unter genau beschriebenen Bedingungen einen Verschluss ohne geprüftes Schottsystem zu. Das ist kein Freibrief: Die Bedingungen betreffen Rohrwerkstoff, Durchmesser, Restspalt und die Art der Verfüllung, und sie gelten nur für Einzelführungen. Wer sich darauf beruft, muss sagen können, auf welchen Abschnitt er sich stützt. In der Sanierung ist das oft die ehrlichere Antwort als ein teures Schott — aber eben nur, wenn es passt.
Das Schild ist kein Aufkleber, sondern der Nachweis
Jede Abschottung wird dauerhaft gekennzeichnet: verwendetes System und Verwendbarkeitsnachweis, Feuerwiderstandsklasse, ausführende Firma und Einbaudatum. Ohne dieses Schild kann später niemand mehr feststellen, was in der Wand steckt — und im Zweifel wird die Abschottung geöffnet. Dazu gehört die Dokumentation: Fotos vor dem Verschließen, Lageplan der Schotts, Kopie des Nachweises. Das ist der Teil, den man am Bau gerne verschiebt und bei der Abnahme schmerzhaft vermisst.
Die vier häufigsten Fehler
Mörtel oder Bauschaum statt eines System, das für diese Leitung geprüft ist
Nachträglich ein weiteres Kabel durch ein fertiges Schott gezogen — damit ist der Nachweis hinfällig
Zu geringer Abstand zwischen zwei Schotts oder zum Bauteilrand, obwohl die Zulassung Mindestabstände vorgibt
Manschette montiert, aber die Dämmung des Rohres nicht wie vorgeschrieben unterbrochen oder weitergeführt
Wie wir arbeiten
Wir nehmen die Durchführungen vor Ort auf, ordnen jeder eine Lösung samt Verwendbarkeitsnachweis zu und liefern die Dokumentation mit — Schild, Fotos, Liste. Wenn eine Öffnung so nicht abgeschottet werden kann, sagen wir das, bevor sie zugemacht wird. Fragen zu einem konkreten Durchbruch? Ein Foto mit Zollstock genügt für die erste Einschätzung: 0176 383 202 79.

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