Heizkörper und Wärmepumpe: erst rechnen, dann tauschen
„Mit Wärmepumpe müssen alle Heizkörper raus“ — das hören wir oft, und es stimmt selten. In den meisten Bestandshäusern reicht ein Teil der vorhandenen Heizkörper weiter, wenn man vorher rechnet statt schätzt.
Warum die alte Auslegung so großzügig war
Heizkörper aus den siebziger und achtziger Jahren wurden für hohe Systemtemperaturen ausgelegt — und für ein Haus, das seitdem oft neue Fenster und ein gedämmtes Dach bekommen hat. Die Heizlast ist also gesunken, während die Fläche an der Wand geblieben ist. Genau diese Reserve nutzt eine Wärmepumpe: Sie braucht keine 70 Grad Vorlauf, sondern eine Fläche, die auch bei 50 oder 45 Grad genug abgibt.
Die Leistung fällt nicht linear
Ein Heizkörper gibt seine Leistung über die Übertemperatur zum Raum ab, und der Zusammenhang ist nicht linear, sondern folgt einem Exponenten von rund 1,3. Praktisch heißt das: Wer die Vorlauftemperatur senkt, verliert weniger Leistung, als die meisten annehmen — aber eben nicht nichts. Das lässt sich für jeden Raum ausrechnen. Danach steht schwarz auf weiß, welcher Heizkörper bleibt, welcher größer werden muss und wo ein Gebläsekonvektor die einfachere Lösung ist.
Der billigste Umbau ist oft der Teiltausch
In der Praxis sind es zwei bis vier Räume, die nicht mitkommen — meist das Bad und ein Nordzimmer. Wenn dort größere Heizkörper eingebaut werden, kann die Vorlauftemperatur im ganzen Haus sinken, und davon profitiert jeder Betriebspunkt der Wärmepumpe. Ein kompletter Austausch aller Heizkörper bringt dagegen selten mehr, kostet aber ein Vielfaches.
Der hydraulische Abgleich ist kein Formular
Der Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau den Volumenstrom bekommt, den er braucht — sonst versorgt sich der erste Heizkörper am Strang zuerst und der letzte bleibt lau. Das raumweise Verfahren mit berechneter Heizlast ist aufwendiger als die Überschlagsvariante, aber nur damit lässt sich die Vorlauftemperatur wirklich absenken. Voreinstellbare Thermostatventile gehören dazu; ohne sie bleibt der Abgleich Theorie.
Was wir dafür brauchen
Von jedem Heizkörper: Bauhöhe, Baulänge, Typ (ein Foto von vorne und eines von der Seite genügt meist)
Raumgrößen und Fensterflächen, Baujahr, durchgeführte Dämmmaßnahmen
Die aktuelle Heizkurve am Kessel und der Verbrauch der letzten Jahre
Daraus rechnen wir die Heizlast nach DIN EN 12831 raumweise und sagen, welche Vorlauftemperatur das Haus wirklich braucht. Erst danach reden wir über Geräte: 0176 383 202 79.

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