Ratgeber · Technik
Trinkwasser erklärt
DIN 1988-200 und DVGW W 551: 60 und 55 °C, Zirkulation, Stagnation, Dämmung und die Druckprobe vor dem Verschließen.
Trinkwasser ist ein Lebensmittel
Für die Hausinstallation gilt die Trinkwasserverordnung, und die technischen Regeln dazu stehen in DIN 1988 (Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen) und im DVGW-Arbeitsblatt W 551. Anders als bei der Heizung geht es hier nicht um Komfort, sondern um Hygiene: Wasser, das zu lange steht oder im falschen Temperaturbereich liegt, wird zum Nährboden.
Die beiden Temperaturen
Kaltwasser soll kalt bleiben: nach dem Ablauf von 30 Sekunden höchstens 25 °C, besser deutlich darunter. Warmwasser wird auf mindestens 60 °C erwärmt und darf im Zirkulationssystem um höchstens 5 K abkühlen — es muss also mit mindestens 55 °C zurückkommen. Zwischen 25 und 55 °C liegt der Bereich, in dem sich Legionellen am besten vermehren; genau dieser Bereich soll nirgends dauerhaft gehalten werden.
Daraus folgt eine Regel, die auf der Baustelle oft übersehen wird: Kalt- und Warmwasserleitungen dürfen nicht ungedämmt nebeneinander liegen. Und Trinkwasserleitungen gehören nicht in denselben ungedämmten Schacht wie Heizungsleitungen.
Stagnation vermeiden
Jede Leitung, durch die selten Wasser fließt, ist ein Risiko. Deshalb werden Trinkwasserinstallationen heute als Reihen- oder Ringleitung ausgeführt: Die Leitung führt an allen Entnahmestellen vorbei und endet an der am häufigsten benutzten — meist dem WC-Spülkasten. So wird bei jeder Nutzung die ganze Leitung durchspült. Klassische T-Stück-Installationen mit langen Stichleitungen zu selten genutzten Zapfstellen sind deshalb aus der Mode gekommen.
Nicht mehr genutzte Leitungen werden nicht einfach abgesperrt, sondern zurückgebaut — eine abgesperrte Leitung bleibt gefülltes, stehendes Wasser.
Werkstoffe und Verbindungen
Üblich sind Mehrschichtverbundrohr, Edelstahl und Kupfer. Entscheidend ist, dass die Werkstoffe in Fließrichtung zusammenpassen: Hinter verzinktem Stahl darf kein Kupfer folgen, weil gelöstes Kupfer im verzinkten Rohr zu Lochfraß führt. Gepresst wird mit dem System des Herstellers und mit dessen Backe — Mischen von Systemen ist keine Sparmaßnahme, sondern ein Gewährleistungsproblem.
Druckprobe und Übergabe
Vor dem Verschließen der Schlitze wird die Installation nach DIN EN 806-4 geprüft — bei Kunststoff- und Verbundrohren üblicherweise als Dichtheitsprüfung mit Luft oder inertem Gas, danach die Belastungsprüfung. Das Protokoll gehört zur Übergabe, ebenso das Spül- und Inbetriebnahmeprotokoll.
Wird die Anlage nach der Druckprobe nicht sofort in Betrieb genommen, bleibt sie besser leer und trocken, statt monatelang gefüllt zu stehen.
Was wir in der Rohinstallation ausführen, steht auf der Seite Sanitär und Bad.
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